Was hinter den Eclipse-Fotos geschah

< User Story·Vol.14 >

8–10 Minuten Lesezeit

Willkommen zur vierzehnten Ausgabe unserer User-Story-Reihe.

Dieses Mal geht es nach Spanien, wo Patrick Gawandtka (@patrickgawandtka.fotograf) hielt die atemberaubende totale Sonnenfinsternis von 2026 fest, als sich die Sonne dem Horizont näherte.

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🎒 Planung eines mobilen Setups für die Finsternis

Ein wichtiger Bestandteil meiner Planung war, dass das gesamte Setup für Flugreisen geeignet bleiben musste. 

Ich wählte die Ausrüstung bewusst so aus, dass die gesamte unverzichtbare Fotoausrüstung in meinen Atlas Adventure Pack passte und als Handgepäck mitreisen konnte. Die Drohne war das wichtigste zusätzliche Ausrüstungsteil.

Die Sony Alpha 1 mit dem 200–600-mm-Objektiv und der zusätzlichen Montagehardware war für den NOMAD zugegebenermaßen ein recht schweres Setup – wahrscheinlich schwerer als ideal. 

Da ich während der meisten kritischen Phasen mit sehr kurzen Verschlusszeiten arbeitete, stellten kleine Vibrationen oder minimale Bewegungen für die fertigen Bilder jedoch kein praktisches Problem dar.

Ausrüstungsliste

Kamera

Sony Alpha 1

Objektiv

Sony FE 200–600 mm

F5.6–6.3 G OSS

Tracker

Move Shoot Move NOMAD

Keil

NOMAD-Winkelkeil

Nivellierplatte

NOMAD-Nivellierplatte

Montageplatte

MSM V-Mount-Platte

Kugelkopf

Leichter Kugelkopf

Zubehör

NiSi IR ND100000 Sonnenfilter

Stativ

Gitzo-Stativ

📝 Vorbereitungen vor der Finsternis

Ein großer Teil der Arbeit fand tatsächlich bereits vor der Finsternis statt.

Ich nutzte Shadowmap, Sun Seeker, Google Earth und Planit Pro, um mögliche Standorte zu vergleichen und genau zu verstehen, wo sich die Sonne während der Totalität und bei ihrem letzten Anflug auf den Horizont befinden würde.

Vor Ort nutzte ich Polar Scope Align Pro, um den NOMAD bei Tageslicht präzise auf den Himmelspol auszurichten, als Polaris selbst nicht sichtbar war.
Die wichtigste Vorbereitung war jedoch der Kamera-Workflow.

Während der schnellen Sequenz von C2 über die maximale Finsternis bis C3 bleibt einfach keine Zeit zum Anhalten und Nachdenken. Alles muss im Voraus vorbereitet sein und alles muss funktionieren.

Aus diesem Grund programmierte ich die komplette Belichtungsstrategie vor der Finsternis in die drei benutzerdefinierten Speicherpositionen der Sony Alpha 1.

📱 Apps und Planungstools

1.Polar Scope Align Pro – für die präzise Polausrichtung des NOMAD bei Tageslicht

2.Solar Eclipse Timer – für die präzise akustische Zeitmessung und Warnungen vor den Phasen

3.Shadowmap – zur Beurteilung von Gelände, Schatten und Sonnenposition

4.Sun Seeker – zur Überprüfung des Sonnenverlaufs und der Richtung vor Ort

5.Google Earth – zur Erkundung von Gelände und Standort

6.Planit Pro – für die detaillierte fotografische Planung und Simulation der Sonnenposition und der Finsternis

⏱️ Meine grundlegende Sequenz

Custom 1 – C1 / partielle Phase: 5-Bilder-AEB-Sequenz.

Custom 2 – um C2: 3-Bilder-AEB-Sequenz. Ich reduzierte die Anzahl der Bilder hier bewusst, um während der sich um den zweiten Kontakt schnell verändernden Momente besonders schnelle Aufnahmesequenzen zu ermöglichen.

Custom 3 – maximale Finsternis / Totalität: 7-Bilder-AEB-Sequenz mit 2 EV Abstand zwischen den Aufnahmen. Dadurch erhielt ich einen deutlich größeren Belichtungsbereich und konnte mehr von der schwachen äußeren Korona erfassen, während Details nahe der Sonne erhalten blieben.

Nach der maximalen Finsternis wechselte ich für C3 wieder zu Custom 2.

Für die darauffolgende partielle Phase um C4 kehrte ich zu Custom 1 zurück.

Während der letzten Sonnenuntergangsphase passte ich die Einstellungen von Custom 1 erneut an die rapide abnehmende Lichtstärke und die sich dem Horizont nähernde Sonne an.

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🔍 Vier Erkenntnisse aus der Totalität

1.Jede Sekunde zählt

Die Kamera wurde mit einem Fernauslöser ausgelöst, sodass meine Aufgabe während der entscheidendsten Momente im Wesentlichen darin bestand, zwischen den vorbereiteten Speicherpositionen zu wechseln und die Belichtungssequenzen auszulösen.

Die App Solar Eclipse Timer war während dieses Teils der Aufnahme von unschätzbarem Wert. Ihre akustischen Countdowns und Warnungen teilten mir im Voraus mit, wann sich die nächste kritische Phase näherte. Rund um C2, die maximale Finsternis und C3 sind diese wenigen Sekunden von enormer Bedeutung.

2.Den Filter zum richtigen Zeitpunkt abnehmen

Das Timing war auch für den Umgang mit dem Sonnenfilter entscheidend. Kurz vor C2 schraubte ich den ND100000-Filter vom Objektiv ab, hielt ihn aber weiterhin direkt vor das Objektiv. 

Das bedeutete, dass ich ihn bei der Warnung der App sofort abnehmen konnte, statt wertvolle Sekunden damit zu verlieren, ihn abzuschrauben. Das war wichtig, um den Übergang um C2 und den Diamantring aufzunehmen. 

Gleichzeitig wollte ich den Filter nicht zu früh abnehmen: Bei einem 600-mm-Objektiv, das direkt auf die Sonne gerichtet ist, kann das gebündelte Sonnenlicht die Kamera möglicherweise beschädigen. 

Die akustischen Zeitsignale gaben mir daher eine sehr präzise Orientierung dafür, wann ich den Filter vorbereiten und wann ich ihn gefahrlos abnehmen konnte.

Das ist ein weiterer Grund, warum es so wichtig ist, die vollständige Abfolge vorher zu proben. Während dieser wenigen Sekunden bleibt einfach keine Zeit zum Improvisieren.

3.Eine abschließende physische Checkliste durchführen

Das erklärt auch einen der Fehler, die ich mit einer meiner Zweitkameras gemacht habe. Der Objektivdeckel der FUJIFILM blieb während der Vorbereitung absichtlich aufgesetzt, um die Kamera zu schützen, während sie auf die Sonne gerichtet war.

In der Hektik rund um die kritische Phase vergaß ich, ihn abzunehmen. Die Kamera zeichnete dann bereitwillig etwa 1.000 Bilder auf – vom Inneren des Objektivdeckels.

Im Nachhinein ist es amüsant, aber es war eine sehr gute Lektion: Selbst bei einem sorgfältig automatisierten Setup benötigt jede Kamera vor der kritischen Phase eine abschließende physische Checkliste.

4.Im Voraus planen, um konzentriert zu bleiben

Die Kombination aus sorgfältiger Standortplanung, präziser Polausrichtung, vorprogrammierten Kameraeinstellungen, Fernauslösung, Vorbereitung des Sonnenfilters und akustischen Zeitsignalen ermöglichte es mir, mich auf die Finsternis selbst zu konzentrieren, statt Menüs zu bedienen oder in letzter Sekunde technische Entscheidungen zu treffen.


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